Teil der Special Reihe NEW QUEER CINEMA
Termine* Normalpreis € 10,50.-
* Kino von Welt Abos gültig
* nonstop Kinoabo gültig
“the slut that inspired safe sex! so weird and so gay, the perfect film”
letterboxd review von Tara Murphy
Sir Richard Francis Burton (John Robinson), dank Jungbrunnen unsterblich, arbeitet im Naturhistorischen Museum in Toronto. Auf der Suche nach dem Kernstück einer neuen Ausstellung über AIDS trifft er auf einen Geist: Zero (Normand Fauteux), der vermeintliche “Patient Zero”, der Geschichten zufolge den Virus erstmalig nach Nordamerika einführte. Auf Biegen und Brechen versucht Burton, die falsche Theorie als Fakt zu verkaufen, lernt im Zuge dessen Zero besser (und vor allem näher) kennen und beginnt nach und nach zu verstehen, wer die eigentlichen Übeltäter sind.
The perfect antidote to PHILADELPHIA’s mainstream look at homophobia, ZERO PATIENCE represents the revenge of the marginal: it’s gay, it’s about AIDS, it’s a musical comedy, and (uh-oh) it’s Canadian.
John Greysons ZERO PATIENCE beruht auf einer wahren Begebenheit, nämlich dem falsch erwiesenen Mythos des Flugbegleiters Gaëtan Dugas, der als Sündenbock der HIV-Verbreitung innerhalb der USA gebrandmarkt wurde. Sowohl Bildsprache und Musik (geschrieben von Glenn Schellenberg) prägen sich schnell ein und dienen wirkungsvoll als Werkzeuge zur Verarbeitung des kollektiven Traumas. Das Trauma, in diesem Fall, ist nicht nur die Krankheit und die damit verbundenen persönlichen Verluste, sondern viel mehr das Alleingelassenwerden innerhalb einer Gesellschaft, die wegsieht. Kritik an Medien, Politik, und dem Gesundheitswesen ist in ZERO PATIENCE klar zu erkennen, eingebettet in ohrwurmtaugliche Melodien und Einfühlsamkeit und Respekt gegenüber den Betroffenen.
Als peppiger Musicalfilm steht ZERO PATIENCE in starkem Kontrast zum Hollywood'schen AIDS-Drama PHILADELPHIA, das ebenfalls im Jahr 1993 erschien. Greyson bedient sich im Vergleich nicht an einfachen, zerkauten Erzählstrukturen, um einer heteronormativen Welt die Empathie gegenüber Betroffenen beizubringen, sondern widmet sich gezielt einem Publikum, das den Kampf gegen den Virus unterstützt, gewonnen, aber auch verloren hat. Ein Film aus der Community für die Community, der aufgrund seiner Ästhetik und frischen Kombination aus Thematik und Genre (ein AIDS Musical!) auch heute noch stolz einen fixen Platz in der queeren, radikalen Filmgeschichte einnimmt.
