VARGTIMMEN

VARGTIMMEN
Ein Film von Ingmar BergmanSE 196887 min OmeU

Teil der Special Reihe SADFEST.

Johan Borg: Now we've kept watch every night until dawn. This hour is the most difficult. Do you know what it's called?
Alma Borg: No.
Johan Borg: Old people used to call it the hour of the wolf. It's the hour when the most people die, when the most babies are born. It's the hour when nightmares come to us. And if we are awake...
Alma Borg: …we are afraid.

Man könnte einen Pfeil wahllos auf die Dartscheibe des Bergman’schen Schaffens werfen, und hätte garantiert einen Film, der sich wunderbar in eine Schau, die sich dem traurigen Film widmet, eingliedern lässt. VARGTIMMEN (dt. Titel Die Stunde des Wolfs) von 1968 ist so ein Treffer.

Ein Film über einen Maler, der verschwindet und dessen zurückgelassene Frau. Johan Borg (Max von Sydow) lebt mit seiner schwangeren Frau Alma (Liv Ullmann) auf einer abgelegenen Insel. Er leidet unter Schlaflosigkeit, Visionen, Dämonen. Oder sind es Erinnerungen? Oder Schuld? Die Grenzen verschwimmen. Und irgendwann ist er weg.

Davor liest Alma Johans Tagebuch. Sie spricht mit uns. Sie fragt sich, ob sie ihn zu wenig oder zu sehr geliebt hat. Ob sie ihn hätte retten können, während dessen wir uns fragen was real ist. Die Dämonen mit ihren Masken? Die Frau mit dem Hut? Der tote Junge im Wasser?

HOUR OF THE WOLF (engl. Titel von VARGTIMMEN) is an act of the director simultaneously revealing and concealing himself, that leaves the audience to wonder how much he has revealed.
Paul Risker, RogerEbert.com

Noch bevor das erste Bild erscheint, hören wir Ingmar Bergman selbst. Er spricht mit seinem Team, gibt Anweisungen. Es ist, als würde er uns sagen: dies ist ein Film – aber keiner, der euch vergessen lässt, dass ihr zuseht. Die Illusion wird nicht zerstört, sondern durchlässig gemacht. Und genau dadurch wird sie unheimlich.

Gedreht wurde auf Fårö, Bergmans Insel. Die Dämonen tragen Namen aus E.T.A. Hoffmanns Erzählungen. Die Musik stammt von Mozart. Ein Miniatur-Tamino singt „O ew’ge Nacht!“ auf einer Puppenbühne. Und mittendrin: Liv Ullmann, schwanger mit Bergmans Kind, als Alma, die alles sieht und nichts versteht.

„Es gibt keinerlei Distanz oder Objektivität“, sagte Bergman später über diesen Film. Vielleicht deshalb beginnt er mit seiner eigenen Stimme – und endet mit Almas Blick in die Kamera. VARGTIMMEN ist kein Horrorfilm. Es ist ein Film über das, was bleibt, wenn jemand verschwindet. Und über die Stunde vor der Dämmerung, in der die meisten Menschen sterben – und andere geboren werden.