Vier Auszeichnungen im Wettbewerb von Cannes 2025!
Termine* Normalpreis € 11,50.-
* Kino von Welt Abos gültig
* nonstop Kinoabo gültig
Brasilien 1977: Während der ausgelassenen Karnevalswoche kehrt Marcelo (Wagner Moura), ein Mann Mitte vierzig, von São Paulo in die Küstenstadt Recife zurück. Dort hofft er, seinen Sohn wiederzusehen. Doch seine Ankunft bleibt nicht unbemerkt – zwischen feiernden Menschenmengen und allgegenwärtiger Gewalt gerät Marcelo in ein immer dichter werdendes Netz aus Überwachung, Korruption und Misstrauen, aus dem es kein Entkommen gibt. Was als persönliche Reise beginnt, entwickelt sich zu einem gefährlichen Spiel im Schatten der Militärdiktatur.
Mimicking the form, and channeling the spirit, of ’70s big-screen blockbusters, it’s a bravura tale of community, persecution, and the way in which memory is both stolen and recovered.
VORFILM: STAGING DEATH (in Memoriam UDO KIER)
Niemand stirbt schöner als Udo Kier. Sein vielgestaltiges Vergehen in mehreren Dutzend Rollen wird in Jan Soldats Staging Death via vifer Montage zum Galoppritt durch fünf Jahrzehnte Film- und Fernsehgeschichte und zum umfassenden Tribut an diesen furchtlosen Schauspieler, einen Surfer zwischen (vermeintlich) hehrer Kunst und heiligstem Trash. Kiers idiosynkratische Darstellungen triefen vor eigenwilliger Kreatürlichkeit, die in den Momenten seines Leinwandtods am klarsten, am reinsten, am schönsten zum Vorschein kommt. Die legendären blauen Augen mal geöffnet, mal geschlossen, der Mund mal weit aufgerissen zum letzten Schrei, mal schmerzverzerrt, mal beinahe friedvoll lächelnd. Der Körper, gerade noch nicht Leichnam, zuckt oder ruht oder wird zerschossen und zerrissen.
In Jan Soldats kunstvoll verspielter Verdichtung dieser beispiellosen Karriere tut sich mit jedem Wimpernschlag ein neuer Kosmos auf und jeder einzelne lässt vermittels Textur und Atmosphäre schließen auf Produktionsmittel und -zusammenhänge: von Autorenfilm bis Videothekenfutter, von Sexploitation bis Kinderfernsehsendung, von Blockbuster bis Avantgarde.
So gesehen ist STAGING DEATH auch beglückendes Destillat eines würdigen Rechercheprojekts, das 170 Spiel- und 50 Kurzfilme sowie 120 Episoden von Fernsehserien umfasst. Aus all den toten Udos darin wuchs diese Hommage, als Essay und Found Footage-Arbeit und Supercut so unbestimmt, unbestimmbar und „effortlessly cool“ wie sein Star. Mittendrin, als Scheitelpunkt und Schlüsselmoment eine Szene aus John Carpenters meisterhaftem Einstünder CIGARETTE BURNS: Udo Kier entleibt sich und fädelt sein Gedärm in einen Filmprojektor ein. „I made my own movie“, sagt er in die Kamera, ganz so als wisse er nicht, dass er das immer schon getan hat, dass das immer schon so gewesen ist.
(Markus Keuschnigg)
STAGING DEATH
Ein Film von Jan Soldat
DE 2022, 8 min, OmeU
