THE NIGHT PORTER

THE NIGHT PORTER
Ein Film von Liliana CavaniIT 1974118 min engl. Fassung

Teil der Special Reihe NACHTBLENDE

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„Both less tasteless […] and much more homoerotic than I’d been expecting.“
Liz on Letterboxd


Liliana Cavani hat mit dem zeitweise verbotenen THE NIGHT PORTER nicht nur einen der kontroversesten Filme der 70er, sondern auch einen so verstörend-schönen wie kritischen Wien-Film gedreht, der Charlotte Rampling weltberühmt gemacht hat.

Wien, 1957. Zwölf Jahre, nachdem Max (Dirk Bogarde) als Nazi-Offizier in einem Konzentrationslager Grauentat um Grauentat begangen hat, arbeitet er als Nachtportier in einem prestigeträchtigen Hotel. Das Auftauchen von Lucija Atherton (Charlotte Rampling) erschwert das Vorhaben, seine kriegsverbrecherische Vergangenheit zu vertuschen. Max und Lucia kennen sich aus dem KZ und es verbindet sie eine für Außenstehende unbegreifliche Beziehung. Das unermesslich zugespitzte Täter-Opfer-Machtgefälle äußerte sich in ihrem Fall in einer gewalttätigen, aber leidenschaftlichen SM-Liaison.

THE NIGHT PORTER depicts not only the political continuity between wartime Nazism and 1957 Austria, but also the psychological continuity of characters locked into compulsive repetition of the past.
Annette Insdorf for Criterion

Unter Einsatz hochgradig künstlerischer Filmmittel, der nahezu prophetischen Anprangerung des männlichen Blicks im Film (Laura Mulveys Essay „Visual Pleasure and Narrative Cinema“ sollte erst ein Jahr später erscheinen) und der Offenlegung einer verlogenen, österreichischen Nachkriegsgesellschaft, gelang ihr ein zeitloses Meisterwerk. Auch in Bezug auf die Geschichte des Genrefilms ist THE NIGHT PORTER interessant, denn er gilt als Kickstarter des Naziploitation-Films. Dabei hat er selbst mit Exploitation wenig am Hut.

Cavani bricht mit Tabus und provoziert ganz gezielt, doch das reicht nicht, um ihn mit ILSA und Konsorten in eine schmierige Lade zu stecken. Weder Sex-, noch Gewaltszenen werden zugunsten des Entertainments ausgebeutet. Ausbeuterisch ist an Cavanis Blick überhaupt nichts und um Blicke geht's in diesem Film. In einer Szene prangert die Regisseurin den objektifizierenden male gaze in seiner radikalsten Form direkt an. Wenn Max im Konzentrationslager Lucia mit einer Kamera demütigt, öffnet das neben der narrativen und geschichtlichen Komponente auch einen filmtheoretischen Assoziationsraum.

In der berühmtesten Szene des Films haucht Charlotte Rampling eiskalt und mit britischem Akkzent den durch Marlene Dietrich bekannt gewordenen Schlager 'Wenn ich mir was wünschen dürfte' von Friedrich Hollaender. Entscheiden Sie selbst: groteske, poetische Kunst oder billige Provokation?
Antonia Goldhammer für BR Klassik