SITCOM

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Ein Film von François OzonFR 199885 min fr. OmdU

Teil der Special Reihe NACHTBLENDE

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* Kino von Welt Abos gültig
* nonstop Kinoabo gültig

“Stuart Little for freaks (like me).” 
andregoncalves on Letterboxd


Wer hätte gedacht, dass François Ozon – ein französischer Regisseur, der heutzutage leicht mit sommerlichem Arthouse-Kino assoziiert werden könnte – gleich doppelt bei der Nachtblende landen wird? Nach dem verstörenden Kurzfilm SEE THE SEA legt er mit seinem Langfilmdebüt SITCOM nach: Eine so unberechenbare wie perverse Satire auf das US-amerikanische titelgebende Fernsehformat einerseits und das französische gutbürgerliche Familiensystem andererseits.

Ozon macht eigentlich das, was auch die französische Sommerkomödie machen will, nur in gut: Er hält dem rassistischen und homophoben Gutbürgertum und dem privilegierten, weißen Publikum den Spiegel vor. Nur dass dieser Spiegel auch gleich ins Innere, ins Eingefleischte und vor allem ins Unbewusste blicken lässt. Freud grüßt, wenn eine weiße Laborratte als neues Haustier plötzlich verdrängte Urlüste in dieser seltsamen Familie hervorkratzt. Der Panzer der Heteronormativität wirkt plötzlich so dünnhäutig wie die Haut dieses Nagers, eigentlich bleibt gar kein Platz für Normativität mehr: Suizidalität, Homosexualität, Inzest und Fetisch verdrängen das Über-Ich in feucht-fröhlicher und feierlicher Manier. Bis durch einen gemeinsamen Feind wieder Ordnung ins System gebracht wird…

Leider gibt es niemanden wie John Waters in Frankreich. Ich wollte den Film in seinem Sinne machen.
François Ozon

Die meisten Gemeinsamkeiten mit der titelgebenden Fernsehunterhaltung hat SITCOM bei seinen Produktionsbedingungen: „kleines Budget, wenig bekannte Schauspieler, eine kurze Spieldauer und ein einziger Schauplatz. Ich versuchte, das Konzept mit all den Genres aufzufüllen, die ich mag: Familienfilme, Splatterfilme, Melodramen und besonders die Farce“ (François Ozon). 

Wobei eine Schauspielerin hervorgehoben werden sollte. Marina de Van, die bereits im vorangegangenen Kurzfilm SEE THE SEA brillierte und für den sie genauso wie für Ozons vielleicht berühmtesten Film 8 WOMEN (2002) das Drehbuch mitschrieb. Ihr Langfilmdebüt IN MY SKIN (2002) gilt außerdem als wichtiger Vertreter der New French Extremity und ist im Rahmen dieser Nachtblende-Staffel etwas später zu sehen.

The film belongs in the by now altogether cosy French cinematic tradition of 'épater les bourgeois', although Ozon is perhaps the first to 'out' the tradition, taking it into queer territory.
Sight & Sound