ROMANCE (35mm)

ROMANCE
Ein Film von Catherine BreillatFR 199999 min fr. OmdU 35mm

Teil der Special Reihe NACHTBLENDE

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„10/10 would recommend watching with family.“
Rohit R on Letterboxd 


Trotz dem vielen expliziten Sex ist ROMANCE kein erotischer Film, und trotz einschlägigem Star Rocco Siffredi ist er auch kein Porno. Was ist ROMANCE dann? Schwer zu sagen. Eine ambivalente Suche einer jungen Frau im Lande Sex zwischen Emanzipation und Unterwerfung, zwischen Nähe und Distanz? Eine Reflexion über das Begehren, das frei nach Breillats Landsmann Jacques Lacan ohnehin nie befriedigt werden kann? Fix ist, dass ROMANCE eine wirkungsvolle Provokation aus Frankreich von einer der eigenwilligsten Provokateurinnen der Filmgeschichte ist.

Marie (Caroline Ducey) liebt ihren Partner Paul, doch er verweigert den Sex. Es folgt eine rastlose Reise durch unterschiedlichste sexuelle Begegnungen: mit einem selbstverliebten Muskelmann, einem älteren Verführer, einem Mann, der sie fesselt und kontrolliert, schließlich sogar mit einem Fremden, der die Grenze zur Gewalt überschreitet…

Breillat, who played the un-Bressonian Mouchette in LAST TANGO IN PARIS, has made a career of erotic provocation, her specialty being adolescent female sexuality.
James Quandt

ROMANCE reiht sich nicht nur aufgrund der Explizität hervorragend in die Riege der New French Extremity ein. Die Parallelen zu den anderen „Edge Queens“ Claire Denis und Marina de Van liegen auf der Hand. Sie interessiert sich etwa stark für die Trennung von Körper- und Selbst(wahrnehmung): Orgasmen ohne Erfüllung, intensive Körperlichkeit bei innerer Leere. Die Identität bleibt unberührt. 

Wo Hollywood Sex (und Gewalt) als Katharsis inszeniert, zeigt ROMANCE Begehren als einsames Streben ohne Erfüllung. Die Teilziele am Weg sind da, in Form von Liebhabern und Orgasmen, nur stellen sie nicht wirklich eine Befriedigung dar, zumindest keine nachhaltige. Dazu kommt Breillats klinische Inszenierung: kahle Räume, starre Bilder, kühle Farben. ROMANCE ist by all means und trotz dem vielen Sex kein befriedigender Film. Weshalb er auch so gut nachwirkt.

Eine Geschichte erzählt ROMANCE nur am Rande, und für die indi­vi­du­elle Psycho­logie der Figuren inter­es­siert sich die Regis­seurin so wenig wie für Politik. Marie reist vielmehr durch Situa­tionen wie die Autorin eines philo­so­phi­schen Essays; ständig befindet sie sich in einer gefähr­deten Balance zwischen aktivem Provo­zieren einer sexuellen Begegnung und passiver Hinnahme dessen, was dann geschieht.
Rüdiger Suchsland für artechock