Teil der Special Reihe IT'S STILL REAL TO ME, DAMN IT!
Der neunjährige Shota lebt den Traum aller Kinder: Sein Vater ist Wrestling-Star, und damit Reallife-Superpapa in Überlebensgröße. Bis der Junge entdeckt, dass sein Dad, wie der Titel schon spoilert, in Wahrheit nicht wie behauptet ein Held des Rings, sondern insgeheim ein Heel Wrestler, also ein Wrestling-Bösewicht, ist, der unter dem Namen „Cockroach Mask“ puren Hass aus dem Publikum herauszaubert.
Für Shota stellt sich so nicht nur das Bild von seinem Vater, sondern ganz nebenbei sein gesamtes Konzept von Gut und Böse in Frage. Für uns ergibt sich daraus eine herzerwärmende Geschichte mit gleich viel Empathie wie Fach-Knowhow, die dem Film die unangefochtene Spitzenposition im Subgenre Wrestling als Familienkino einbringt.
Dass der namensgebende Heel Wrestler ausgerechnet von der Legende Hiroshi Tanahashi verkörpert wird, der selbst nie (zur Gänze) Heel war, sondern vielmehr New Japan Pro Wrestling vor dem Niedergang bewahrt und sich so den Beinamen „The Ace of the Universe“ eingehandelt hat, ist da nur ein weiteres Insider-Zuckerl on top. Auch dieser Film verdankt Hiroshi Tanahashi (und seinem NJPW-Kollegen Kazuchika Okada) eine besonders „Ace“-ige Eigenschaft: Er gehört — auch ein bisschen ironischerweise — zu den wenigen Wrestling-Filmen, die glaubhaft inszeniertes Wrestling zeigen.
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Wer mit japanischem Wrestling bisher weniger Berührungspunkte hatte, oder eher die klassisch-epischen „Fighting Spirit“-Kämpfe von über 45 Minuten Länge mit „Puroresu“ verbindet, bekommt in unserem Vorfilm hier einen Vorurteilscrashkurs in Gestalt einer der kürzesten und zugleich schönsten Matchjuwelen mit KENTA vs. Ricky Marvin (6’) und einen thematisch zum Familienfilm passenden Highlight-Reel von Superstar Kenny Omega gegen die 9-jährige Haruka (2’).
Tanahashi vehicle it may be, but "My Dad is a Heel Wrestler" is also a full-throated, body-slamming celebration of a spandex brotherhood.
