Teil der Special Reihe PASTIMES & PROJECTIONS
Lady Susan Vernon: Facts are horrid things.
Lady Susan Vernon ist schön, klug und eine Katastrophe für das gesellschaftliche Gleichgewicht. Frisch verwitwet und finanziell angeschlagen, quartiert sie sich bei Verwandten ein, um ihre Tochter zu verheiraten. Und sich selbst gleich mit. Mit scharfem Verstand und spitzer Zunge manipuliert sie ihre Umgebung, jongliert Verehrer und Intrigen, und bleibt dabei stets eine Spur eleganter als alle anderen.
Regisseur Whit Stillman (der Fürst des kosmopolitisch, intellektuellen Hang-Flicks) adaptiert Jane Austens Frühwerk ‚Lady Susan‘ mit Tempo, Witz und einem Gespür für die Absurdität höfischer Manöver. Kate Beckinsale brilliert als Lady Susan – eine Heldin, die keine sein will – und liefert eine Performance, die zwischen kalkulierter Bosheit und charmantem Selbstbewusstsein pendelt. Der Film lebt von seinen Dialogen, die so geschliffen sind, dass sie Glas schneiden könnten.
It's flat-out hilarious - find me a funnier screen stab at Austen, and I'm tempted to offer your money back personally. Gliding through its compact 92 minutes with alert photography and not a single scene wasted, it's also Stillman on the form of his life.
Love & Friendship entstand aus Stillmans langjähriger Faszination für Austens weniger bekannte Texte. Die Verfilmung bleibt dem Briefroman erstaunlich treu, erweitert ihn aber um Szenen, die die Komik und das Chaos noch stärker betonen. Die Inszenierung verzichtet auf romantischen Überschwang und setzt stattdessen auf sprachliche Präzision und soziale Satire.
Der Film wirkt beinahe wie ein Gegenentwurf zur klassischen Austen-Adaption: Hier wird nicht gelitten, sondern gelacht – über Konventionen, über Moral, und über die Idee, dass Tugend immer siegt. Lady Susan ist keine moralische Heldin, sondern eine brillante Überlebenskünstlerin, die das Spiel besser beherrscht als alle anderen.
Die Verbindung zu Jane Austen liegt in der Lust am sprachlichen Schlagabtausch und der Freude am gesellschaftlichen Theater. Love & Friendship zeigt, dass Austens Werk nicht nur romantisch, sondern auch radikal sein kann und dass ihre frühen Texte eine Schärfe besitzen, die in der Popkultur oft übersehen wird. Lady Susan ist vielleicht Austens ehrlichste Figur und das mit einem Selbstbewusstsein der an Dreistigkeit grenzt.
