Teil der Special Reihe RADICAL 90s
Termine* Normalpreis € 10,50.-
* Kino von Welt Abos gültig
* nonstop Kinoabo gültig
Telly: When you're young, not much matters. When you find something that you care about, then that's all you got.
„Wenn jemals ein Film vor einem jugendlichen Publikum versteckt gehalten werden sollte, dann sollte es KIDS sein“, meinte Jack Valenti, damaliger Vorsitzender der MPAA, über das NC-17-Rating für KIDS in den USA. Und er war mit dieser Meinung nicht allein. Larry Clark hat mit seinem Kinodebüt einen Skandalfilm in die Geschichte geschrieben, gleichzeitig stellt KIDS die Keimzelle für ein neues, radikales US-Independent Kino dar.
Eigentlich wollte Jennie (Chloë Sevigny) ihre sexuell weitaus aktivere Freundin Ruby (Rosario Dawson) nur als Beistand zum AIDS-Test begleiten. Doch dann hat sie das positive Ergebnis vor sich liegen und Ruby das negative. Den Schock gerade noch verdauend, macht sie sich auf die Suche nach Telly (Leo Fitzpatrick), der ihr das Virus weitergegeben haben muss. Dieser schläft bevorzugt mit deutlich jüngeren Mädchen und bringt diese um ein geschütztes erstes Mal. KIDS besteht aus einer Parallelmontage, die Jennie und Telly abwechselnd begleitet und sich am Ende trifft. Nur leider zu spät.
Dieser Film wurde nicht rückblickend zur Legende erklärt, er war es mit der Premiere.
Mit Vérité-Stilmitteln wie der wackeligen Handkamera und Aufnahmen von der anderen Straßenseite sollte beim Publikum der Eindruck entstehen, etwas Realistisches, beinahe Dokumentarisches zu sehen. „The result was that the film was taken more seriously, more readily assumed by many commentators to be an accurate portrayal of the life of a younger generation“ (Geoff King). Und tatsächlich ging es Clark darum, die Realität abzubilden. Zumindest eine Realität, nämlich jene seiner wesentlich jüngeren Laiendarsteller:innen und Kolleg:innen.
Das Drehbuch schrieb der damals noch 19-Jährige Harmony Korine (GUMMO, SPRING BREAKERS), den Clark der Legende nach auf einem Skateplatz kennenlernte. Korines Freundin war seinerzeit das New Yorker It-Girl Chloë Sevigny (AMERICAN PSYCHO, ZODIAC), die als eine von vielen (Rosario Dawson!) mit KIDS ihr Debüt machte, um festzustellen, dass sie das mit dem Schauspielen sehr gut kann. Anderen Mitwirkenden erging es in der Zukunft weniger gut. Schauspieler Justin Pierce etwa beging im Jahr 2000 Suizid, Harold Hunter starb an einer Überdosis. Larry Clark selbst sollte mit Filmen wie KEN PARK und BULLY seinem Ruf des Skandalregisseurs, der Teenager, Gewalt und Sexualität ins Zentrum rückt, weiterhin gerecht werden.
Mit flinker, beweglicher Handkamera ist er ihnen stets auf der Pelle; er erhebt sich nie auch nur fünf Zentimeter über ihre infantile Sicht der Welt.
