JULIEN DONKEY-BOY

JULIEN DONKEY-BOY
Ein Film von Harmony KorineUS 199999 min

Teil der Special Reihe RADICAL 90s

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Körnige Bilder, ungefilterte Gedanken, fragmentarisches Erzählen: JULIEN DONKEY-BOY ist Harmony Korines radikales Portrait des Innenlebens eines schizophrenen Menschen und der erste US-amerikanische Film, der sich offiziell am DOGMA 95 Manifest orientiert.

Julien (Ewen Bremner) lebt mit seiner hochgradig dysfunktionalen Familie in New York: einem emotional verwahrlosten Vater (Werner Herzog!), einer schwangeren Schwester, die selbst kaum erwachsen wirkt (Chloë Sevigny), und einem jüngeren Bruder, der seine Aggressionen in Wrestling-Ritualen kanalisiert (Evan Neumann). Julien streift durch die Stadt, halluziniert Gespräche mit historischen Figuren und kämpft mit dem Tod der Mutter. Realität und Vorstellung sind nicht zu trennen und schon bald wird die fragile Balance dieses Gefüges durch eine Abfolge traumatischer Ereignisse endgültig zerstört…

This is a clever, agile, provocative movie in which the director displays his crisply refrigerated connoisseurship of human dysfunction and pain.
The Guardian

JULIEN DONKEY-BOY kann zu jenen Filmen gezählt werden, die mehr einen Zustand beschreiben als eine Geschichte erzählen. Harmony Korine dreht seinen Film im Geiste von Dogma 95 und zugleich gegen dessen Reinheitsgebot: auf MiniDV, grobkörnig, instabil, improvisiert, durchsetzt mit formalen Brüchen wie Standbildern, Stop-Motion und abrupter Montage. Der Film fühlt sich an wie beschädigtes Material, das seine eigene Verletzlichkeit offenlegt. Was eine gewisse Logik hat: „The fragmented structure might easily be understood a spart of the figuration of the disintegrating mental state of the title character […] the lack of classical plotting seems entirely appropriate to the subject matter: a portrayal of lives that are essentially directionless, lived without the contrivances of conventional-mainstream narrative arc.“ (Geoff King)

Das Ergebnis ist ein Kino der Überforderung, das viele abstößt oder bereits abgestoßen hat. JULIEN DONKEY-BOY wurde genau wie GUMMO ambivalent rezipiert und zum Teil scharf kritisiert. So wurde den Filmen unter anderem vorgeworfen, beeinträchtigte und normabweichende Körper für die Leinwand voyeuristisch auszubeuten. Zugleich liegt jedoch gerade in diesem visuellen Affront gegen die Schönheitsmaschinerie Hollywoods ein politisches Potenzial.

With the dead cats and garbage heaps of GUMMO behind him, Harmony Korine has directed a second feature better than his first. This can be viewed as inevitable. Less so is the intriguing pedigree of JULIEN DONKEY-BOY as the first American film made in compliance with Dogma '95, the set of radical restrictions devised by Danish filmmakers including Lars von Trier (BREAKING THE WAVES) and Thomas Vinterberg (THE CELEBRATION).
The New York Times 1999