HUSTLERS

HUSTLERS
Ein Film von Lorene ScafariaUS 2019110 min

Teil der Special Reihe FEMINIST FRAMES

Nach dem Film Gespräch mit Drehbuchautorin und Regisseurin Sabine Derflinger (Bio siehe weiter unten)

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New York in den späten Nullerjahren: Stripperin Destiny (Constance Wu, „Crazy Rich Asians“) versucht im Club „Moves“ Fuß zu fassen. Sie hat ihre Großmutter (Wai Ching Ho) zu versorgen, die sie großgezogen hat. Das Business ist verdammt hart, ein hoher Prozentsatz des mit anstrengenden Wall-Street-Koksnasen verdienten Geldes verschwindet erst recht wieder in den aufgehaltenen Händen von schmierigen Männern, die „Hilfsdienste“ anbieten (Schutz, einen Platz im Club, Koks, „ein offenes Ohr“).

Destiny lernt Stripper-Königin Ramona Vega (Jennifer Lopez) kennen – Ramona nimmt sie unter ihre Fittiche, übt mit ihr an der Stange (zu Chopin), zeigt Destiny mit einer Kollegin (Cardi B) worum’s geht: Das Tempo runterschrauben, Blickkontakt über die Schulter zum Kunden.

„You want them drunk enough to get their credit card but sober enough to sign their checks”, erklärt ihr Ramona, sie macht sie mit den unterschiedlichen Arten von Wall-Street-Kunden vertraut – die, die kein Geld haben, aber es ausgeben, wenn doch; die in der Mitte, die sich ungern die Hände dreckig machen; und „there’s the motherfuckers on top“, so Ramona, „CEOs, CFOs, Investmentbanker, Hedgefonds-Chefs, Axtmörder”. Sie kommen durch den Hintereingang, sie nehmen den Privatlift und sitzen im einzigen Raum ohne Überwachungskameras. Sie geben 10.000 bis 15.000 Dollar pro Nacht aus. „They can be degrading, possessive, aggressive, violent, and they never get in any trouble, because everyone's willing to cover their tracks, because deep down they all want what they got. They all wanna be on top … where there are no consequences“ – die Sorte Mann also, von der man inzwischen aus den Epstein-Files liest.

2014 recherchiert Journalistin Elizabeth (Julia Stiles), was nach dem Beginn dieser außergewöhnlichen Freundinnenschaft passiert ist. Die Finanzkrise 2008 bedeutet auch für viele Stripperinnen das Ende einer Ära – sie verlieren ihre besten Kunden. Neue Kolleginnen liefern viel mehr für viel weniger Geld. Also spezialisieren sich Ramona, Destiny und ihre Kolleginnen Mercedes (Keke Palmer) und Annabelle (Lili Reinhart, „Riverdale“) neu: Mithilfe einer getesteten Mischung aus MDMA und Ketamine leerten sie ihren Kunden zuerst das Hirn und dann die Kreditkarten.

„Based on a true story”

Der Film basiert auf dem preisgekrönten Artikel „The Hustlers at Scores“ von Jessica Pressler im New York Magazin – Pressler recherchierte auch den Fall von Hochstaplerin Anna Sorokin, ihre Story war die Grundlage für die Netflix-Serie „Inventing Anna“ mit Julia Garner.

Den Film finanziert zu bekommen, war nicht einfach. „But it turns out that persuading rich white men to make a movie about other rich white men being scammed wasn’t easy”, so Regisseurin und Drehbuchautorin Lorene Scafaria. Selbst mit Lopez an Bord war der Film keine Selbstverständlichkeit. Männer mögen „Wolf of Wall Street“. Aber keine Frauen, die Typen unter Drogen setzen, so die Produzentin Elaine Goldsmith-Thomas.

Gelohnt hat sich der Kampf um diese Darstellung auf jeden Fall: wegen der Perspektive von Frauen auf ihr eigenes Leben, auf ihre Freundinnenschaften, auf ihre Arbeit und auf ihre Kunden – und das Überleben im Kapitalismus. Scorsese mit Care-Arbeit.

Gedreht wurde in 29 Drehtagen, der unfassbar geile Soundtrack - von „Control“ von Janet Jackson und „Next“ von Scott Walker bis zu „Make it Rain” von Lil’ Wayne, die sensationelle Tanzszene zu „Criminal“ von Fiona Apple, die Highlights von Britney Spears bis 50 Cent - existiert nur, weil viele Künstler:innen einzeln überzeugt werden konnten.

Dass HUSTLERS 2020 bei den Oscar-Nominierungen komplett leer ausging, ist bis heute ein Skandal. Umso mehr ein Grund, sich diesen Film noch einmal anzuschauen.

As you're distracted by all that razzle-dazzle and the movie's many, many great jokes, HUSTLERS is quietly composing some deeply profound thoughts about the relationships women build with each other.
Vox

Sabine Derflinger

Geboren in Oberösterreich, studierte sie an der Filmakademie Wien in den Fachrichtungen Buch und Dramaturgie. Seitdem verfolgte sie ihre Filmkarriere im Bereich Drehbuch und Regie und produzierte verschiedene preisgekrönte Spielfilme und Dokumentationen (z.B. VOLLGAS, SCHNELLES GELD, EINE VON ACHT, 42PLUS, TAG UND NACHT, DÄMMERUNG ÜBER BURMA). 2010 gründete sie ihre Produktionsfirma Derflinger Film und wirkte u.a. an den Filmen THOSE WHO CAN TELL NO TALES (Regie: Jasmila Zbanić) und EM FAMILIA (Globo TV) sowie als Produzentin von DIE DOHNAL und ALICE SCHWARZER mit. 

Zusätzlich führte sie auch bei zahlreichen Fernsehproduktionen in Deutschland und Österreich Regie. 2011 führte sie als erste Regisseurin in Österreich Regie bei einer Folge der TV Kult Krimiserie Tatort. Für den Tatort „Angezählt“ gewann sie 2014 den Grimme-Preis. 2015/2016 inszenierte sie die TV Serie Vorstadtweiber, die zur erfolgreichsten österreichischen TV Komödien Serie der letzten zehn Jahre avancierte und den Metropolis Award 2016 erhielt. 2017 wurde ihr in Würdigung ihrer Leistungen das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien verliehen. Ihre Kinodokumentation DIE DOHNAL gewann 2020 den Großen Diagonale-Preis des Landes Steiermark (Bester Dokumentarfilm) und erhielt 2021 den Österreichischen Filmpreis für den Besten Dokumentarfilm sowie für den Besten Schnitt. Mit über 40.000 Besuchern war DIE DOHNAL auch an den Kinokassen ein Erfolg.

2022 kam ihr Kinodokumentarfilm ALICE SCHWARZER in die Kinos, der ebenfalls mit dem Großen Diagonale-Preis des Landes Steiermark (Bester Dokumentarfilm 2022) ausgezeichnet wurde. Im selben Jahr wurde der von ihr inszenierte TV Zweiteiler SÜSSER RAUSCH im ZDF ausgestrahlt und sie erhielt den Großen Kulturpreis des Landes Oberösterreich in der Sparte Film und Video. 2023 inszenierte sie mit TATORT: BAUERNSTERBEN ihren mittlerweile vierten Tatort und führte Regie beim BOZEN KRIMI (Folgen 17 und 18) für die ARD. 2025 inszenierte sie den neuen ORF/ARD Krimi MORD IN WIEN mit August Wittgenstein und Caroline Frank, führte Regie bei der siebten Staffel der ARD Vorabendserie WATZMANN ERMITTELT sowie beim 90-minütigen TV Spielfilm WATZMANN ERMITTELT: DIE TRÄNEN DER MADONNA.


Foto: Lukas Beck