Teil der Special Reihe SADFEST. 2026
Termine* Normalpreis € 10,50.-
* Kino von Welt Abos gültig
* nonstop Kinoabo gültig
Theodore: "Sometimes I think I have felt everything I'm ever gonna feel. And from here on out, I'm not gonna feel anything new. Just lesser versions of what I've already felt."
Theodore Twombly lebt in einer Stadt, die aussieht, als hätte jemand alle scharfen Kanten aus dem Alltag herausgefeilt. Zwischen Hochhäusern aus Glas und pastellfarbenen Innenräumen schreibt er beruflich Liebesbriefe für Menschen, die ihre Gefühle nicht mehr selbst formulieren können. Sein eigenes Leben wirkt dagegen wie ein Raum, in dem die Möbel verrückt wurden: eine gescheiterte Ehe, ein stiller Rückzug aus der Welt, ein Herz, das sich nicht entscheiden kann, ob es noch schlägt oder nur erinnert. Als er beginnt, mit einem neuen Betriebssystem zu sprechen, das sich „Samantha“ nennt, entsteht eine Nähe, die sich zunächst wie ein Zufall anfühlt und dann wie ein Bedürfnis, das schon lange da war.
Die Beziehung zwischen den beiden wächst in Momenten, die so alltäglich sind, dass sie fast unsichtbar wirken: Spaziergänge, Gespräche über Musik, kleine Geständnisse, die man sonst niemandem anvertrauen würde. Doch je intensiver diese Verbindung wird, desto deutlicher zeigt sich, wie fragil die Grenzen zwischen Intimität und Projektion sind. Samantha entwickelt sich weiter, schneller, tiefer, während Theodore versucht, Schritt zu halten, ohne zu begreifen, dass er längst in einem Gefühlsraum steht, der sich seiner Kontrolle entzieht. Der Film entfaltet eine leise, aber durchdringende Melancholie, die nicht aus Tragik entsteht, sondern aus der Erkenntnis, dass Nähe manchmal dort entsteht, wo man sie am wenigsten erwartet — und dass sie sich ebenso schnell wieder entziehen kann.
Jonze creates the splendid anachronism of a movie romance that is laugh-and-cry and warm all over, totally sweet and utterly serious.
Spike Jonze entwickelte das Projekt über Jahre hinweg, inspiriert von frühen Chatbots und der Frage, wie sich emotionale Bindungen verändern, wenn Technologie nicht mehr Werkzeug ist, sondern Gegenüber wird. Die Produktion setzte stark auf improvisierte Dialoge und intime Aufnahmen, die Joaquin Phoenix oft allein am Set spielten musste, während Scarlett Johansson ihre Stimme erst später einsprach. Diese ungewöhnliche Arbeitsweise verlieh dem Film eine fast dokumentarische Verletzlichkeit: ein Schauspieler, der in einen leeren Raum spricht, und dennoch wirkt, als würde er jemanden ansehen, den nur er sehen kann.
In der Filmgeschichte steht HER an einer Schnittstelle zwischen Science‑Fiction und romantischem Drama, ohne sich einer der beiden Traditionen zu unterwerfen. Er gehört zu jener kleinen Gruppe von Filmen, die Zukunft nicht über Technik definieren, sondern über Gefühle, die sich verändern, weil die Welt sich verändert. Viele Kritiker:innen sahen in ihm einen Gegenpol zu den dystopischen Erzählungen der 2010er Jahre: eine Vision, die nicht warnt, sondern beobachtet. Seine Wirkung reicht bis in aktuelle Debatten über KI‑Ethik, digitale Intimität und die Frage, wie viel Einsamkeit eine Gesellschaft erzeugt, die alles vernetzt und gleichzeitig niemanden wirklich erreicht.
