HAPPINESS (4K)

HAPPINESS
Ein Film von Todd SolondzUS 1998134 min eOV 4K

Teil der Special Reihe SADFEST. 2026

Bill Mapplewood: "I wake up happy, feeling good... but then I get very depressed, because I'm living in reality."


In der Vorstadt taumeln mehrere Menschen hinter glattgebügelten Vorhängen durch ihr Gefühlslabyrinth. Sie alle sind auf der Suche nach etwas: Nähe, Ruhe, Bestätigung, ein kleines Stück Trost, das sich nicht sofort wieder verflüchtigt. Sie prallen aufeinander wie Figuren in einem Gesellschaftsspiel, das niemand freiwillig aus dem Keller geholt hat. Die Schwestern Joy, Helen und Trish versuchen, ihre jeweiligen Lebensentwürfe zusammenzuhalten, während die Männer um sie herum an ihren eigenen Sehnsüchten ersticken. Jede Begegnung öffnet eine neue Tür zu einem Raum, den man lieber nicht betreten würde, und doch bleibt man wie gebannt, weil hinter jeder Peinlichkeit ein Funken Wahrheit glimmt.

Der Film bewegt sich mit einer fast unheimlichen Ruhe durch Situationen, die man im Alltag gern überspringen würde. Gespräche, die zu lange dauern. Geständnisse, die man nicht hören möchte. Solondz liefert uns in diesem hypnotisch schmerzhaften Film Figuren, die von einer Einsamkeit begleitet werden, die sich wie ein zweiter Schatten an sie heftet, und Menschen, die mit ihren Abgründen leben müssen.

Thoroughly realized characters and relationships and Solondz's masterful ability to switch the tone from comic to tragic within the same scene help make HAPPINESS a better film than it might have been otherwise. Much better, in fact.
Keith Phipps, The A.V. Club

HAPPINESS war ein Projekt, das sich selbst mit einem Indie-Budget nur schwer finanzieren ließ. Solondz hatte zwar bereits mit WELCOME TO THE DOLLHOUSE bewiesen, dass er ein Gespür für die unbequemen Zonen des Alltags besitzt, doch hier ging er weiter als viele Studios bereit waren mitzugehen. Ursprünglich sollte der Film von einem großen Verleih herausgebracht werden, doch nach Sichtung der fertigen Fassung zog man sich zurück - zu riskant, zu kompromisslos, zu wenig marktfähig. Dass der Film dennoch seinen Weg fand, lag an einer kleinen, mutigen Verleihstruktur, die sich nicht davor scheute, ein Werk zu unterstützen, das sich jeder kommerziellen Glättung verweigert.

HAPPINESS markiert einen jener Momente, in denen das amerikanische Independent‑Kino der späten 90er seine radikalste Form annahm. Während Sundance‑Lieblinge zunehmend in Richtung Mainstream drifteten, hielt Solondz an einer Ästhetik fest, die sich nicht anbiedert. Der Film wurde zu einem Prüfstein für die Frage, wie weit Kunst gehen darf, wenn sie das Unbehagen nicht nur zeigt, sondern strukturell einbaut. Viele spätere Filmemacher:innen - von den Safdies bis zu Yorgos Lanthimos - haben Solondz’ kompromisslose Figurenbeobachtung als Einfluss genannt.