Teil der Special Reihe ANGELS & GHOSTS - A TRIBUTE TO MAMORU OSHII
Die Zeit, in der die Bewohner:innen des Planeten Annwn in einem friedlichen Miteinander ihr gemeinsames Zuhause teilten, gehört schon lange der Vergangenheit an. Denn als sie von Danaan, der Göttin, die sie gemeinsam angebetet haben, verlassen wurden, brach ein endloser Krieg um die Herrschaft des Planeten aus.
Von den ehemalig acht Völkern von Annwn wurden fünf ausgelöscht, auch die Atmosphäre des Planeten ist dem Zerfall nahe. Die drei Völker, die noch am Leben sind, bekämpfen sich gegenseitig in riesigen Schlachten oder haben einander längst versklavt. Als jedoch ein aus der Sklaverei geflohener Mann einem rivalisierenden Volk seine Dienste anbietet, nimmt eine Handlung ihren Lauf, die den kriegerischen Status Quo durchbrechen könnte.
Spectacular visuals set to Kenji Kawai's heavenly choirs.
Es ist eine der zentralen Fragen von Mamoru Oshiis Filmografie: Wie können wir Bedeutung und Identität in einer Welt finden, die sich dem rasanten technologischen Fortschritt bedingungslos ergibt und dabei die verbindenden Kräfte von Spiritualität, Geschichten und Glauben verdrängt? Mit GARM WARS, seinem Hybrid aus Realfilm und 3D-Animationsfilm aus dem Jahr 2014, findet diese Auseinandersetzung einen spektakulären Höhepunkt.
Der Film beginnt mit einem Actionfeuerwerk, das sich in seiner bewusst artifiziellen Optik zu einer Oper der Zerstörung und Schaulust entfaltet. Doch den Rest des Films scheint die Frage zu quälen, warum wir diesem destruktiven Spektakel solch eine übersinnliche Bedeutung zuschreiben, hinterlässt es doch in erster Linie nur Schutt und Asche.
Die intime Odyssee durch die Landschaften von Annwn, auf die wir uns mit den Hauptfiguren des Films begeben, stellt sich schon bald als die Suche nach einem (Lebens-)Sinn abseits kriegerischer Herrschaftsansprüche heraus. Verlassen von der Gottheit und Schöpferin, die die Bewohner:innen von Annwn einst vor ihrer jetzigen Existenzkrise bewahrte, muss eine neue sinnstiftende Alternative her, die das von ihr hinterlassene Vakuum füllt. In liebevoll komponierten Einstellungen und unterlegt von Kenji Kawais epochaler Musik entfaltet sich GARM WARS zu einer bewegenden Dekonstruktion des eigenen Genres.
