Teil der Special Reihe FEMINIST FRAMES
Nach dem Film Gespräch mit Social-Media- und Radiojournalistin Aischa Sane
1962, Louisiana, US-Südstaaten: Hier lebt Eve Batiste (Jurnee Smollett), Tochter des beliebten Stadtarztes Dr. Louise Batiste (Samuel L. Jackson) und seiner Frau Roz (Lynn Whitfield) mit ihrer 14-jährigen Schwester Cisely (Meagan Good) und dem kleinen Bruder Poe. Die Batistes sind wohlhabend, das intellektuelle Zentrum der Stadt, sie haben Stil, geben legendäre Partys. Es gibt kein Problem, das Dr. Batiste nicht lösen kann, er ist beliebt – zu beliebt? – bei den Damen. Stammt er wirklich vom adeligen General Jean Paul Batiste ab, dem Gründer von „Eve’s Bayou“? Eine Sage rankt sich um die Entstehung des Ortes, der General soll das Gebiet einer geheimnisvollen, afrikanischen, versklavten Frau gegeben haben, nachdem sie ihn geheilt hat.
Eve ist zehn Jahre alt, die Welt der Erwachsenen ist – noch – unverständlich. Eve beobachtet, wie ihr Vater mit der aufregenden Matty Mereaux (Lisa Nicole Carson) zugange ist. Ihre Schwester Cicely will ihr nicht glauben. Es kann nicht sein, dass der geliebte Vater etwas Falsches macht. Sie muss sich getäuscht haben.
Als die die Konflikte zwischen den Eltern unübersehbar werden, sucht Eve Hilfe bei ihrer Tante Mozelle Batiste Delacroix (Debbi Morgan). Sie trägt den Beinamen „Die schwarze Witwe“, weil sich das Ableben ihrer Gatten immer mit einer Vorahnung angekündigt hat. Cisely kommt in die Pubertät und beginnt sich ebenfalls seltsam zu verhalten. Als die Wahrheit ans Licht kommt, helfen sich die Mädchen selbst...
EVE’S BAYOU is a brilliant piece of storytelling. The script by director Kasi Lemmons runs both deep and wide as it examines the paradox of a loving family which finds that, sometimes, love is not enough.
Kasi Lemmons drehte ihren ersten Langfilm aus der Perspektive von jungen Mädchen, sie selbst verfasste auch das Drehbuch, inspiriert vor allem von Literatur – Toni Morisson genauso wie Gabriel Marcia Marquez. Sie wollte eine Erzählform finden, die der Welt ihrer Kindheit entsprach, einer Welt voll Wohlstand und Humor, voller Geheimnisse und Magie. Manchmal ist diese Welt fluide, ist das, was man gesehen hat, das, was die Menschen erzählen, und das, woran man sich erinnert, nicht notwendigerweise dasselbe. Kamerafrau Amy Vincent erschuf aus der beeindruckenden Landschaft der Südstaaten mit ihrem Pflanzengerank, der hohen Luftfeuchtigkeit, den spiegelnden Wasseroberflächen und dem ständig surrenden Insektengeflirr eine zusätzliche Filmfigur.
Es war das Jahrzehnt von Spike Lee, SHE’S GOTTA HAVE IT hatte die Filmgeschichte verändert, Julie Dash hatte 1991 DAUGHTERS OF THE DUST gedreht, es gab neue Biographien, neue Erzählformen im Kino. Samuel L. Jackson wurde gerade mit PULP FICTION weltweit zur Filmikone – wollte aber auch seine Fähigkeiten als Charakterschauspieler einsetzen.
Man versuchte, Lemmons davon zu überzeugen, auch weiße Figuren in das Drehbuch zu schreiben – aber ihre Filmvision betreffend wurde sie immer militanter: „Every single person in my life was black“, erzählte sie von ihrer Kindheit. „I had to educate people that actually I was trying to express something that existed that they knew nothing about. And because they knew nothing about it, does not mean it does not exist.” Sie konnte letztlich ihre Vision umsetzen – “I was a unicorn, nobody had heard of anything like me”.
Sie feierte mit EVE’S BAYOU 1997 beim Filmfestival in Toronto Premiere, der Film wurde bei Publikum und Filmkritik gleichermaßen zum Hit und im Anschluss zum kommerziell erfolgreichsten Independent-Film des Jahres. Lemmons, selbst Schauspielerin in Produktionen wie THE SILENCE OF THE LAMBS, CANDYMAN oder HARD TARGET, drehte nach ihrem Langfilmdebut Filme wie CAVEMAN’S VALENTINE, TALK TO ME mit Don Cheadle, das Harriet-Tubman-Biopic HARRIET mit Cynthia Erivo sowie WHITNEY HOUSTON: I WANNA DANCE WITH SOMEBODY. Sie unterrichtete u.a. an der Yale University, der Columbia Film School, an der UCLA, The Los Angeles Film School und war Artist in Residence am Vassar College. Ihre beiden jungen Hauptdarstellerinnen wurden beide zu Stars.
Nach dem Film Gespräch mit Aischa Sane
Aischa Sane ist Social-Media- und Radiojournalistin, die sich mit den Schnittstellen von Popkultur, Social Media Trends und gesellschaftspolitischen Entwicklungen beschäftigt.
Bei Radio FM4 arbeitet sie als Redakteurin und moderiert die Diskussionssendung "FM4 Auf Laut", gestaltet Beiträge zu Jugendkultur und Politik und prägt die Online-Präsenz des Senders auf TikTok und Instagram, zum Beispiel mit ihrem Format “spill the tea”. Zudem wirkte sie an Sendungen des Ö1-Feuilletons Diagonal mit.
Als Gründungsmitglied des feministischen VORLAUT Kollektivs engagiert sie sich für kritischen Online-Journalismus und politische Bildung zu Themen wie Rechtsextremismus, Queerness und sozialer Ungleichheit.
