DIE EINE SINGT, DIE ANDERE NICHT
Teil der Special Reihe FEMINIST FRAMES
Nach dem Film Gespräch mit Schauspielerin und Kabarettistin Eva Dité (Bio siehe weiter unten)
Termine* Normalpreis € 10,50.-
* Kino von Welt Abos gültig
* nonstop Kinoabo gültig
Agnès Vardas feministisches Musical mit doppeltem meet cute beim Schwangerschaftsabbruch: Eine illegale Abtreibung steht am Beginn dieser jahrzehntelangen Freundinnenschaft. Die 17-jährige Pauline, genannt Pomme (Valérie Mairesse), trifft ihre ehemalige Schulkollegin, die 22-jährige Suzanne (Thérèse Liotard), ihr Lebensgefährte ist Fotograf. Suzanne will keinesfalls ein drittes Kind bekommen, das Geld reicht schon jetzt nicht. Es ist Schülerin Pauline, die mit einer Schwindelei das Geld von ihren Eltern dafür besorgt und während der Prozedur auf Suzannes Kinder aufpasst.
Die beiden jungen Frauen verlieren sich aus den Augen – zehn Jahre später begegnen sie sich 1972 bei einer feministischen Demonstration für das Recht auf Abtreibung wieder (der Fall um Marie-Claire Chevalier führte durch ihre Anwältin Gisèle Halimi zur Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs, er wurde 2026 unter dem Titel „L'affaire Marie-Claire“ verfilmt).
Freigeist Pomme hat die Schule geschmissen und tourt inzwischen mit ihrer feministischen Folk-Truppe im VW-Bus durch ländliche Gemeinden, während es Suzanne trotz einer unfassbar schweren Zeit bei ihren erzkonservativen Eltern am Hof mit ihren „unehelichen“ Kindern gelungen ist, eine Ausbildung und einen Job zu checken – sie leitet inzwischen eine Beratungsstelle für Frauen.
Pomme hat einen politisch aktiven Lebensgefährten, den sie bei ihrer Abtreibung in Amsterdam kennengelernt hat – sie reist mit ihm in seine Heimat, den Iran, und wird bald herausfinden, dass auch linke Männer zuhause gern zum Patriarchen werden.
The movie’s audacious irreverence and playful, musical form feel as fresh as ever, as does its call to women to embrace unfettered self-expression by any unconventional means.
Inspiriert von Simone de Beauvoirs Aussage, „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es“ drehte Agnès Varda die Geschichte einer Freundinnenschaft – und eine fast dokumentarische Erzählung der französischen Frauenbewegung gleich mit dazu. Zwei Frauenleben illustrieren, wie eng weibliche Lebensrealitäten und feministische Kämpfe verwoben sind, wie wichtig die Rolle von Frauensolidarität ist, einzeln, aber auch in Massen.
Männerfreundschaften dürfen Filmstoff sein, die von John Wayne und Dean Martin in „Rio Bravo“, oder jene von Robert Redford und Paul Newman oder Gene Hackman und Al Pacino – Zeit für einen Film über eine Frauenfreundschaft, befand Varda, über zwei glückliche Frauen, die sich selbst ein Leben nach ihren Vorstellungen bauen, trotz aller Widersprüche – der Kampf über die Selbstbestimmung, eben.
(Text: Julia Pühringer)
Eva Dité
Schauspielerin, Kabarettistin (1990 Kabarett- und Kleinkunstpreis ‚Salzburger Stier‘ für Österreich mit dem Frauenkabarett MENUBELN für die Produktion „Bye, bye, Burli“); Regisseurin (1996 Wr. Festwochen „Wie man wird, was man ist“ von Lina Loos); Textautorin, Mitglied der IG Autorinnen/Autoren, Mitherausgeberin von „Zündende Funken. Wiener Feministinnen der 70erjahre.“