DAUGHTERS OF DARKNESS
Teil der Special Reihe NACHTBLENDE
Termine* Normalpreis € 10,50.-
* Kino von Welt Abos gültig
* nonstop Kinoabo gültig
„Wofür ich den Film aber so sehr geliebt habe, wofür er mich von der ersten Sekunde an in seinen Bann gezogen hat: Delphine Seyrig (natürlich) und die Musik. Beide fühlen sich an wie die Farben des Films: dunkelviolett, meeressturmblau und natürlich knallrot.“
Martina Genetti auf Letterboxd
Harry Kümels eleganter 70er-Streifen ist eine düstere wie stylische Sexploitation-Perle mit der großartigen Delphine Seyrig, als eine nach Blut durstende Aristokratin, die es leicht mit sämtlichen Femme Fatales der Filmgeschichte aufnehmen kann.
Mit einer in blaues Licht getauchten Sexszene in einem europäischen Nachtzug gleiten wir in eine uns fremde Welt, die für 100 Minuten gefangen hält. Als der besagte Zug unverhofft zum Liegen kommt, zieht das frisch verheiratete Paar Valerie & Stefan (Danielle Ouimet & John Karlen) notgedrungen in ein altes Hotel im belgischen Ostende.
Die darauffolgende Anreise der geheimnisvollen Gräfin Elizabeth Bathory (Delphine Seyrig) macht den Hotelpagen etwas nervös. Der kann sich nämlich gut an die Gräfin erinnern, nur war er da noch ein sehr junger Mann und Bathory dürfte seitdem keine Sekunde gealtert sein. Zeitgleich finden im nahegelegenen Brügge brutale Morde an jungen Frauen statt. Hat das plötzliche Auftauchen der Gräfin, die eigentlich schon tot sein müsste, vielleicht etwas damit zu tun?
Als hätte Josef von Sternberg mit Marlene Dietrich dem europäischen Bahnhofskino der 70er ein filmisches Denkmal setzen wollen.
BLUT AN DEN LIPPEN (dt. Verleihtitel) ist ein stilbewusstes, erotisches Vampirmärchen, das seine Zähne weniger in Hälse als in Konventionen schlägt. Es ist kein Film, der erklärt, sondern das Publikum verführt und verwirrt, es sein Unbehagen dabei aber genießen lässt.
Delphine Seyrig, zuvor schon ikonisch durch den anderen Hotel-Film LAST YEAR AT MARIENBAD und spätestens verewigt seit JEANNE DIELMAN, verleiht der Untoten eine elegante Autorität, die zwischen aristokratischer Pose und sadistischer Verführung oszilliert. Regisseur Harry Kümel setzt weniger auf Schock als auf Atmosphäre: endlose Hotelflure, schwere Vorhänge, Gewitter, ein Soundtrack voller unheilvoller Vorzeichen. Ein Vampirfilm für Genießer:innen.
Wer Meister des Schmuddelkinos wie Jean Rollin, […] Jess Franco und Walerian Borowczyk kennt und schätzt, wird diesen Film lieben. Und allen anderen, das sei an dieser Stelle garantiert, steht noch eine Entdeckung bevor, die in der Geschichte des europäischen Genreschaffens der Nachkriegszeit einen Ehrenplatz verdient hätte.