Teil der Special Reihe NACHTBLENDE
Wir starten die 16. Nachtblende-Staffel „The Original French Extremity“ chronologisch korrekt, nämlich mit zwei Kurzfilmen, die dieser – ja, was ist es eigentlich? – Bewegung, Strömung oder schlicht unangenehmen Ansammlung an herausfordernden Filmen den Anstoß gab. Zum einen der „ur-text“ (James Quandt) der New French Extremity, also Gaspar Noés CARNE, und zum anderen der „majestically creepy“ (Variety) SEE THE SEA von François Ozon.
Beide Filme bereiten auf die Langfilmdebüts der jeweiligen Regisseure vor. CARNE spielt gar in der gleichen Welt und mit dem gleichen Protagonisten wie Noés I STAND ALONE (1998), und in SITCOM (ebenfalls in dieser Nachtblende-Staffel zu sehen) begegnen wir dem Early-French-Extremity-Duo François Ozon und Marina de Van wieder, die mit SEE THE SEA Hanekes FUNNY GAMES vorwegnahmen, nur in queer.
Natürlich hören die Gemeinsamkeiten hier nicht auf. Beide Filme sind explizit (no shit), oder eben doch shit, wenn sich zum Beispiel in einer erinnerungswürdigen Szene in Ozons Werk eine Zahnbürste und ein Haufen Scheiße - die Schmerzgrenze weit hinter sich lassend - nahekommen.
Majestically creepy.
James Quandt, der in seinem kritischen Text FLESH & BLOOD: SEX AND VIOLENCE IN RECENT FRENCH CINEMA den Begriff der New French Extremity prägte, meint: „Ozon’s first feature, the suspense thriller SEE THE SEA (1997), alternates oblique terror with shock shots“, und apropos Ozon: wer würde heute diesem Star des (oft sommerlichen) Arthouse-Kinos folgenden Satz noch zutrauen: „What I am interested in is violence and sex, because there is a real challenge in rendering the strong and powerful as opposed to the weak and trivial. I like something that asks moral questions.“
CARNE bezeichnet Quandt als „Lynch-like“ mit seinem „aggressive style of abrupt cuts, extreme close-ups, and preposterous intertitles, of seismic sounds and hard-driving music whose effect Noé compared to an epileptic seizure.“ Der Protagonist von CARNE und I STAND ALONE kommt ein paar Jahre später übrigens in einem anderen ikonischen French Extremity Film zurück auf die Leinwand: In Alexandre Ajas HIGH TENSION.
Lynch-like
