Teil der Special Reihe NACHTBLENDE
Termine* Normalpreis € 10,50.-
* Kino von Welt Abos gültig
* nonstop Kinoabo gültig
"not a cellphone in sight, just teenagers living in the moment."
aliyah on Letterboxd
Kinji Fukasakus später kommerzieller Erfolgsfilm BATTLE ROYALE ist einerseits selbst inspiriert von Filmen wie HERR DER FLIEGEN und DAS MILLIONENSPIEL, und fungiert andererseits als Blaupause für thematisch verwandte Blockbuster wie THE HUNGER GAMES, MAZE RUNNER oder auch die Serie SQUID GAME. Unter dem Mantel des extrem unterhaltsamen und unberechenbaren Splatterfilms offenbart sich eine unterschiedlich auslegbare Gesellschaftskritik, insbesondere in Richtung japanischer Leistungsgesellschaft.
Arbeitslosigkeit und Schulschwänzerei verleiten die japanische Regierung zu einem neuen Gesetz, demnach sich je eine Schulklasse auf einer einsamen Insel den Kampf ansagt, aus dem nur eine Person lebendig hervorgehen soll. Der von seinen Schüler:innen gekränkte Lehrer Kitano (famos: Takeshi Kitano) nutzt die Gelegenheit für einen Rachefeldzug gegen die rebellische Klasse...
Some will find the explicit violence of this movie repulsive - or plain boring. But this is a film put together with remarkable confidence and flair. Its steely candour, and weird, passionate urgency make it compelling.
Die Heisei-Dynastie in Japan (1990 bis 2019) gilt als Phase, die von Naturkatastrophen, dem Terrorismus der Aum-Sekte und erstarkender Jugendkriminalität überschattet wurde. In der Kunst und insbesondere im Kino wurden junge Künstler:innen gefeiert, “die das Gewaltpotenzial der Welt reflektierten und zugleich eine poetische Anschauungsweise entfalteten, die dem Zuschauer eine Zuflucht in Imagination anbot. Gemeint sind Autoren wie Takeshi Kitano, Takashi Miike, Sion Sono, Shunji Iwai und Mamoru Oshii." (*).
Der während den Dreharbeiten von BATTLE ROYALES Fortsetzung verstorbene Kinji Fukasaku - eigentlich ein Meister des Yakuza-Films - war zu der Zeit bereits ein vergleichsweise alter Hase, doch er schlägt mit diesem Hit aus seinem Spätwerk in genau dieselbe Kerbe und besetzt mit Kitano einen Schauspieler, der "geradezu das Genre des Gewaltfilms [verkörpert]" (*).
BATTLE ROYALE ist spaßiges und unberechenbares, geradezu tarantinoeskes Unterhaltungskino einerseits und zynisch-verstörende Dystopie in Schlagrichtung Leistungsgesellschaft, Kapitalismus und Klassenungleichheit andererseits.
(*) Kayo Adachi-Rabe in „Der japanische Film“ aus der Buchreihe „Filmgeschichte kompakt“
Selbst 20 Jahre später muss man der Geschichte zugutehalten, dass man selten weiß, was als nächstes geschehen wird. Duelle, die man in genreähnlichen Produktionen bereits eine Meile gegen den Wind riecht, geschehen hier urplötzlich und überraschend. Genauso, wie die tragischen Geständnisse, die die Toten noch auf ihren Lippen haben. Die Insel verströmt durch ihre verlassenen Häuser eine postapokalyptische Stimmung, die dieser Dystopie immer noch gut zu Gesicht steht.
