Teil der Special Reihe NACHTBLENDE
Termine* Normalpreis € 10,50.-
* Kino von Welt Abos gültig
* nonstop Kinoabo gültig
Die Frisur erinnert an den Nachtblende-Eröffnungsfilm ERASERHEAD, die Schreibblockade im Hotel an den Eröffnungsfilm dieser Staffel THE SHINING. Wir schließen BED, BLOOD AND BREAKFAST, die 14. Staffel der Nachtblende, mit BARTON FINK, einem kafkaesken Meisterwerk der Coen-Brothers und jenem Streifen in ihrem Werk, der einem Horrorfilm am nächsten kommt.
New York im Jahr 1941: Der idealistische Theaterautor Barton Fink (John Turturro) feiert seinen ersten großen Broadway-Erfolg, was kurz darauf zu einem gut bezahlten Angebot aus Hollywood führt. Dort lebt er im heruntergekommenen, fast leer wirkenden Hotel Earle. Der Filmproduzent Jack Lipnick (Michael Lerner) erwartet von ihm ein Drehbuch mit dem typischen „Barton-Fink-Gefühl“, doch Fink leidet unter einer schweren Schreibblockade. Sein einziger Kontakt ist der gesellige Nachbar Charlie Meadows (John Goodman). Weder Produzenten noch sein verehrter Schriftstellerkollege W. P. Mayhew (John Mahoney) oder dessen Sekretärin Taylor (Judy Davis) helfen ihm weiter. Bis ein tragisches und blutiges Ereignis seine Kreativität entfacht…
Ein Traum? Ein gelebter Alptraum. Fink gerät in eine Hölle der Einsamkeit. Die offenen Arme, mit denen ihn Hollywood empfängt, schließen sich im Würgegriff.
Die Idee zu BARTON FINK entstand tatsächlich während einer Blockade bei der Arbeit am vorangegangenen Gangsterfilm MILLER’S CROSSING. Aber auch sonst ist er ein Meta-Film und eine Parodie auf Hollywoods Studiosystem genauso wie auf die Figur des überheblichen Auteurs und Schriftstellers.
Er erzählt von Isolation und künstlerischer Blockade und kann demnach als große Hommage an Kubricks THE SHINING verstanden werden. Auch hier befinden wir uns in einem Hotel und wie „das Overlook […] scheint auch das Earle eine physische Existenz zu haben, es schwitzt, strahlt unnatürliche Hitze ab, und es scheint seine vielen Gäste […] bis auf Barton und seinen Nachbarn Charlie Meadows unter Verschluss zu halten.“ (*)
Unser Protagonist Barton Fink – verkörpert von John Turturro in seiner vermutlich besten Rolle – ist in Wirklichkeit unerträglich, „schwankend zwischen Selbstmitleid und Selbstüberhebung und absolut ignorant gegenüber seiner Umwelt“ (*) und dennoch folgen wir ihm so wahnsinnig gerne. Dass er mit seiner Art ausgerechnet auf den vermeintlich einfachen, „kleinen Mann“ Charlie trifft, wird ihm noch zum Verhängnis werden. Doch auch all die anderen Personen, denen wir hier in L.A. begegnen und die zum Teil sehr klare Verweise auf tatsächliche vergangene Hollywood-Größen darstellen, sind ambivalente Figuren, die nicht gerade ein sympathisches Bild dieses Mikrokosmos zeichnen.
(*) Brigitte Desalm in ihrem Text über BARTON FINK im von Georg Seeßlen und Peter Körte herausgegebenen Buch über Joel & Ethan Coen
Die Studiomaschinerie wird zum Alptraum, die Kunst zur Illusion. Ein fiebriger Film über Sprachverlust, Identität und das Scheitern am eigenen Anspruch.
