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Sängerin, Songwriterin, Schauspielerin und Weltretterin Dolly Rebecca Parton hielt sich mit Widersprüchen nicht auf, sie umarmte sie, bis sie keine mehr waren: Sie liebte und bediente ihren Style, bis sie sie bis zum Niveau „camp“ durchgespielt hatte und beim Level gay iconangekommen war. Sie war tiefgläubige Amerikanerin und glühende Verfechterin von Menschenrechten. Sie lebte ihre Haltung in Country, Rock und Pop aus. Sie kam arm auf die Welt und verteilte ihr Vermögen in schon fast biblischem Ausmaß – unterstützte Schüler*innen, gründete Bibliotheken, unterstützte mit den Tantiemen aus „I Will Always Love You“ die Schwarze Community in Nashville und testete den mit ihrer finanziellen Unterstützung entwickelten Moderna-Impfstoff gegen Covid gleich selbst. Amüsierte Kritik, blöde Fragen und genervte Hardliner prallten an ihr gleichermaßen ab, wie Trillionen traurig-froh geteilte Videos aus Interviews in jedem Dolly-Sager zeigen. Witz schlägt auch die wohlmeinendste abschätzige Frage, jenes Powertool von 70erjahre-Interviews, Menschenliebe zeigt die Hohlheit jener, die sie nicht ernstnehmen. Noch jedes Klischee, das auf Dolly Parton projiziert wurde, fiel instant auf den Erzeuger zurück. Liebe schlägt Hass. Darunter machte sie es nicht. Sie wollte das, was sie konnte, mit Menschen machen, die sie schätzten. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Nun ist Dolly Parton tot, in einem Jahr, in dem wir sie so dringend bräuchten (aber: in welchem nicht?) – und wir müssen uns und einander selbst die Dolly machen, eine aus Millionen Gesichtern. Egal ob mit und ohne Glitzer, Turmperücke und Heels – in dem Spielraum, den sie uns eröffnet hat, das ist, die ganze Welt. Solidarisch miteinander.
Solidarität ist der Stoff, aus dem der Film „9 to 5“ gemacht ist – von der Projektidee weg. In Europa kennt man eher nur Dolly Partons legendären antikapitalistischen Song vom Soundtrack – und weder den legendären Film noch seine Geschichte:
„Workin′ 9 to 5, what a way to make a livin'
Barely gettin' by, it′s all takin′ and no givin'
They just use your mind and they never give you credit
It′s enough to drive you crazy if you let it”
„9 to 5“ basiert auf einer Idee von Jane Fonda. 1979 wird Schauspielerin und Polit-Aktivistin Jane Fonda durch ihre Freundin, die Aktivistin Karen Nussbaum, auf das allgegenwärtige Problem der sexuellen Belästigung aufmerksam gemacht, auf Frauen, die von den Männern, die sie selbst ausgebildet haben, auf der Karriereleiter überholt werden, auf Mitarbeitende, die so wenig verdienen, dass sie Lebensmittelmarken brauchen. „9to5: Organization for Women Office Workers“ hieß Nussbaums Organisation. Nicht dass Fonda als Schauspielerin nicht selbst mit Sexismus ihre Erfahrungen gemacht hätte. Jedenfalls: „Darüber sollte man einen Film machen“, dachte Fonda.
„We did not see it as a comedy at first. What’s funny about working fifteen-hour days and getting paid for forty hours’ work a week?”, so Fonda in ihren Memoiren „My Life So Far”. Als Fonda Lily Tomlin im Theater sah und Dolly Parton im Radio hörte, war klar, wo die Reise hinführte. Fondas Ex-Agentin, die legendäre Filmproduzentin Paula Weinstein, schlug als Regisseur Colin Higgins vor, er hatte für „Harold und Maude“ das Drehbuch geschrieben.Man interviewte 40 Frauen, die ihre schlimmsten Büro-Geschichten aus dem Arbeitsalltag erzählten. Als Higgins fragte, ob die Mitarbeiterinnen gelegentlich auf Rache sannen, war das Gelächter laut – und die zentrale Idee für das Drehbuch von Patricia Resnick und Colin Higgins („Better Things“) gefunden.
Binnen weniger Wochen war das Drehbuch fertig: Die frisch geschiedene Hausfrau Judy Bernly (Jane Fonda) beginnt als unerfahrene Sekretärin der Firma „Consolidated Companies“ – unter den strengen Augen von Bürochefin Violet Newstead (Lily Tomlin) und gegen denherrlichsten kaputten Kopierer der Filmgeschichte. Der Chef ist ein Trottel und Sexist (Dabney Coleman), den die vielfach fähigere Violet selbst angelernt hat. Beide Damen sind misstrauisch, was die bildhübsche Chefsekretärin Doralee Rhodes (Dolly Parton) betrifft – der Chef selbst streut gemeinerweise Gerüchte über eine Affäre.
Als sich die drei Frauen zusammenrotten, in einer Bar gemeinsam den herrlichstenRachefantasien frönen (Dolly Parton auf einem Pferd mit Lasso!) und im Anschluss kurzerhand den Chef entführen, wird die Stimmung im Büro schlagartig besser … Frauen, die sich nicht länger auseinanderdividieren lassen, können viel bewegen.
Das Projekt, das binnen eines Jahres zustande und ins Kino kam, hatte ein Einspielergebnis von knapp über 100 Millionen US-Dollar allein in den USA, Dolly Parton verkaufte über eine Million Tonträger – das gelungene Beispiel für ein ideales Zusammenspiel von Popkultur und politischer Debatte. „The women went wild, shouted back to the screen, and applauded at the end. Men liked the movie but were quiet, they knew something dangerous might be happening”, erzählt Karen Nussbaum.
Bei einer alten Tradition von vertrottelten deutschen Verleihtiteln für US-Filmtitel ist jenervon „9 to 5“ eigentlich ein Geniestreich: „Warum eigentlich … bringen wir den Chef nicht um?“. Ein von Frauen erdachter, schrecklich witziger aber auch heute noch fürchterlich authentischer Film über eine Revolution am Arbeitsplatz, die auch heute, 45 Jahre später, noch aussteht.
Text: Julia Pühringer
Fonda, Lily Tomlin and Dolly Parton are a formidably charismatic triumvirate.
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ab 18. September 2026 im Gartenbaukino
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