SANIERUNG DES GARTENBAUKINOS

MÄRZ BIS OKTOBER 2021

 

Am 22. März 2021 wurde im Rahmen einer Pressekonferenz im bereits von Kinosesseln leergeräumten Saal die Generalsanierung des Gartenbaukinos der Öffentlichkeit präsentiert. In Anwesenheit (Bild oben v.l.n.r.) des verantwortlichen Architekten Manfred Wehdorn, der Stadträtin für Kultur und Wissenschaft Veronica Kaup-Hasler und der Staatssekretärin für Kunst und Kultur Andrea Mayer gab Gartenbaukino-Geschäftsführer Norman Shetler einen kurzen Überblick über die Geschichte des Hauses, Einblicke in Kosten und Finanzierung der Sanierung sowie Ausblicke auf die Zukunft des renovierten Gartenbaukinos.

GARTENBAUKINO 1960: "GEBT DER STADT FARBEN!"

„Gebt der Stadt Farben!“ ist ein vielfach überlieferter Appell des Architekten Robert Kotas, der zwischen 1947 und 1971 für Gestaltung bzw. Umbau der großen Kinotempel der Bundeshauptstadt verantwortlich zeichnete. Keines der von ihm errichteten Kinos ist noch erhalten – mit Ausnahme des Gartenbaukinos, 1960 als DAS Premierenkino der Stadt eröffnet und seither kaum wesentlich verändert. Dieses Credo lässt sich an diesem geschichtsträchtigen Ort bestens nachvollziehen und auch erleben: kaum ein/e BesucherIn bleibt von dem spielerischen, einzigartigen Zusammenwirken von Farbe, Form, Gestaltung und ton- und bildtechnischer Raffinesse unbeeindruckt.

Das Kino am Ring ist in den letzten 20 Jahren zu einem unverzichtbaren Teil des Wiener Kulturlebens geworden, nicht zuletzt durch die Vielzahl an österreichischen Filmen, die hier ihre Premiere erlebt haben, und der jährlichen Viennale, als deren Leitkino das Gartenbaukino fungiert. Dieser Umstand ist auch dem Weitblick der Fördergeber geschuldet, die durch ihr commitment den fortlaufenden Betrieb des Hauses mit einem anspruchsvollen, vielseitigen Film-, Festival- und Veranstaltungsprogramm mit ermöglichen. Dass sich dieses commitment nun auf die erstmalige Generalsanierung erweitert, kann nur als Glücksfall gesehen werden.

„SANIERUNG ALS NACHHALTIGES ZEICHEN FÜR DIE FILM- UND KINOKULTUR“

Die Umsetzung dieses Projekts ist eine einmalige Chance, den Ort und die Institution Gartenbaukino mit einer sorgsamen Sanierung des Bestands und einer dringend notwendigen haustechnischen Modernisierung in eine gesicherte Zukunft zu führen und für die kommenden Jahrzehnte als einen der zentralen Orte österreichischer Filmkultur zu erhalten.

Wir verstehen diese Sanierung auch als ein wichtiges, nachhaltiges Zeichen für die Film- und Kinokultur des Landes und als eine gewinnbringende Investition in den Filmstandort Österreich. Nicht zuletzt auf Grund der aktuellen Krise, die seit einem Jahr auch die kulturschaffenden Menschen und Institutionen des Landes in Atem hält und einen kontinuierlichen Spielbetrieb der Kinos verhindert hat und erwartungsgemäß weiter einschränken wird, ist gerade jetzt der ideale Zeitpunkt, dieses Vorhaben umzusetzen.

Norman Shetler
Geschäftsführer Gartenbaukino

Oberes Foyer, Kassabereich, 1960
Oberes Foyer, Kassabereich, 2019

MILESTONES GARTENBAUKINO

19. 12. 1960 - Eröffnung des neuen Gartenbaukinos mit SPARTACUS (Regie: Stanley Kubrick).

1962 - Fertigstellung des Gartenbau Hochhauses (Architekten: Erich Boltenstern und Kurt Schlauss).

1973 - Nach der Schließung des Forum Kinos 1972 wird das Gartenbaukino erstmals Schauplatz des 1960 gegründeten Filmfestivals Viennale.

1978 - Einbau der ersten Dolby Stereo Anlage Österreichs.

1982 - Umgestaltung des Kinos: Erneuerung von Buffetbereich, Foyerdecke und Bestuhlung. Reduktion der Kapazität von 900 auf 760 Sitzplätze.

1992 - Entfernung der 19. Reihe, Reduzierung des Fassungsvermögens auf 736 Sitzplätze, Erneuerung des Vorhangs. Umstellung auf Dolby Digital und gleichzeitiger Abbau der 70mm-Infrastruktur.

1994-96 - Die außenliegende Mosaikfassade wird auf Grund von Wasserschäden durchgehend von einer Nirosta-Verkleidung verdeckt, der Eingangsbereich neu gestaltet, die Anzeigetafel („Fischerleuchte“) erneuert.

1998 - Drohende Ausgliederung des Gartenbaukinos (und neun weiterer Standorte) aus der stadteigenen KiBa (Kinobetriebsanstalt). Gründung der Plattform „Rettet das Gartenbaukino“, symbolische Besetzung des Kinos am letzten Tag der Viennale.

1999 - Übernahme des Kinos durch City Cinemas.

2002 - Konkurs der City Cinemas. Die Viennale übernimmt mit Unterstützung der Stadt Wien die Mietrechte für das Kino; Gründung der ENTUZIASM Kinobetriebsgmbh, die seither als Betreiberin fungiert.

2010 - Ausstellung und Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum des Gartenbaukinos, erste fundierte Aufarbeitung zur Geschichte des Kinos und zum Werk des Architekten Robert Kotas (1904–1973).

2016 - Reaktivierung des 70mm-Spielbetriebs.

2018 - Unterschutzstellung des Gartenbaukinos als „Denkmal der Nachkriegsmoderne“ durch das Bundesdenkmalamt.

Das Gartenbaukino ist nach wie vor im Eigentum der seit 1827 bestehenden Österreichischen Gartenbau-Gesellschaft.

 

SANIERUNG

Die Sanierung lässt sich in zwei zentrale Bereiche einteilen:

1.) Technische Gebäudeausstattung
• Heizung, Lüftung (Stand 1960)
• Klimatisierung (seit 2005 nicht mehr funktionstüchtig)
• Sanitärausstattung (teils Erneuerung, teils Sanierung (Damen-WC) • Elektrik, Medientechnik
• Brandschutz/Sicherheit

2.) Sanierung nach wissenschaftlich-denkmalpflegerischen Grundsätzen
• Reinigung/Reparatur/Instandsetzung
z.B. Fliesenwände, Saaldecke, Saalwände, Vorhang, Damen-WC
• Teilrekonstruktion
z.B. Beleuchtungskörper, Decke Foyer, Boden Garderobengang, Möblierung Foyer
• Erneuerung
z.B. Bestuhlung Saal, Herrentoilette, Bodenbeläge Saal

Von der Sanierung nicht betroffen sind Bühne, Leinwand, Tonanlage und Projektionstechnik.

Unteres Foyer und Buffet, 1960
Unteres Foyer und Buffet, 2019

„EIN JUWEL FÜR CINEAST:INNEN“

"Das Gartenbaukino ist ein Juwel für Cineast:innen und genießt Alleinstellungsmerkmal in Wiens Kinolandschaft. Als letztes großes Einsaalkino ist es mit seinen mehr als 730 Sitzplätzen ein gefragtes Premieren- und Festivalkino und ein Ort, an dem man sich auch vor oder nach einem Filmerlebnis gerne aufhält.

Nach 60 Jahren nagt der Zahn der Zeit an der Substanz des Gartenbaukinos. Ich begrüße es daher sehr, dass die Verantwortlichen die coronabedingte Schließzeit für die notwendige Renovierung nützen. Ich freue mich bereits auf die Wiedereröffnung, auf das Gemeinschaftserlebnis, wenn sich der rote Vorhang wieder hebt und es heißt 'Film ab' auf der großen Leinwand."

Mag.a Veronica Kaup-Hasler
Stadträtin für Kultur und Wissenschaft

„EIN ORT DER ZUSAMMENKUNFT“

"Die Kinos sind noch immer geschlossen, doch das Gartenbaukino rüstet sich mit seiner Generalsanierung für die nächsten 100 Jahre Kinogeschichte. Das ist ein Vorhaben mit Strahlkraft – vorwärtsgewandt und Zuversicht vermittelnd.

In die bauliche Infrastruktur des Gartenbaukinos – und damit in die Zukunft der Institution „Kino“, konkret 600.000 Euro – zu investieren, ist dem Bund ein wichtiges Anliegen: Denn das Gartenbaukino ist Kinokulturdenkmal und Baudenkmal, das seit jeher in Bewegung und Veränderung war und ist.
 
Seit 1919 Dreh- und Angelpunkt österreichischer Kinokultur, baukulturell einzigartig als letztes erhaltenes Groß- und Premierenkino der Nachkriegszeit in Wien mit aufwändiger Innenausstattung, beispielhaft für eine Freizeiteinrichtung mit urbanem Charakter um 1960. Immer war es ein Ort der Zusammenkunft und daran wird sich auch künftig nichts ändern: Hier werden bei ehestmöglicher Gelegenheit wieder Filme kollektiv geschaut und kontrovers diskutiert werden. Beides ist, trotz oder vielmehr aufgrund zunehmender Digitalisierung, so grundlegend wie unverzichtbar: „gemeinnützig“ eben. Das Kino hält dafür den idealen Rahmen bereit: Schauen und Streiten können hier dem Wortsinn nach stattfinden.

Ich freue mich also schon sehr auf die doppelte Zeitreise, die das Gartenbaukino, auf höchstem Standard runderneuert, bieten wird können: Das originalgetreu wiederhergestellte Kino von 1960 entführt in die Filmkunst von morgen – zurück also möglichst bald, ins Kino der Zukunft!"

Mag.a Andrea Mayer
Staatssekretärin für Kunst und Kultur

Saal, 1961
Saal, 2011

„DIE WIEDERERWECKUNG EINER ATMOSPHÄRE“

Drei Fragen an Prof. Manfred Wehdorn
(Wehdorn Architekten)

Was hat Sie an der Sanierung des Gartenbaukinos gereizt?

Nach den Entbehrungen der Kriegs- und ersten Nachkriegsjahre waren die fünfziger Jahre von einer Aufbruchsstimmung in eine neue Lebensqualität geprägt. „The American way of life“ war das große Vorbild. Ein Hauch von Luxus war zu spüren, der sich nicht nur in der Lebensart sondern insbesondere auch in der Gestaltung der Innenräume niederschlug. Der Begriff von „Glamour“, ein neues Schönheitsbild der Frauen und vieles anderes mehr konnte nirgendwo sonst so gut vermittelt werden wie im Kino. Bezeichnenderweise wurde das Gartenbaukino am 19. Dezember 1960 mit dem Film SPARTACUS in Anwesenheit des Hauptdarstellers Kirk Douglas eröffnet, und ebenso berühmt wie die Filme wurden die Modeschauen vor den einzelnen Vorstellungen. Diese Lebensfreude, die sich auch in der Architektur widerspiegelt, wieder erwecken zu können, ist sicher der größte Anreiz des Projektes. „Architektur ist Leben“ ist seit langem ein Begriff, der mir wichtig ist.

Was sind die besonderen Herausforderungen dieses Projekts und wie werden Sie damit umgehen?

Unsere Erfahrungen in der Restaurierung der Nachkriegsarchitektur stehen erst am Anfang. Damals neue Materialien und Bautechniken, man denke nur an die geradezu legendären Linoleum bzw. PVC-Beläge, an die raffinierten Leuchten mit dem warmen Glühbirnenlicht oder an die abgehängten Akustikdecken, bedürfen neuer Restaurierungstechniken. Ein wesentlicher Bestandteil der Sanierung wird die Erneuerung der gesamten technischen Ausstattung und vor allem der Klimaanlage sein. Die Erneuerung der technischen Ausstattung ist Grundvoraussetzung für eine zeitgemäße Nutzung und das Wohlbefinden der Gäste, wobei selbstverständlich das historische Ambiente durch diese Eingriffe nicht gestört werden darf.

Wie wird das Kino nach der Sanierung aussehen, wo wird die Renovierung für die lang jährigen Freundinnen und Freunde des Kinos am deutlichsten zu sehen sein?

Prinzipiell ist es das Ziel der Restaurierung, den Eindruck der Innenräume aus der Zeit um 1960, der aufgrund von Materialauswechslungen und des allgemeinen schlechten Zustands der Bausubstanz weitestgehend verloren gegangen ist, nach wissenschaftlich-denkmalpflegerischen Grundsätzen wieder herzustellen. Für die Besucherinnen und Besucher wird es zu einer Art Entdeckungsreise in die Vergangenheit kommen, die auch Teil des Kinobesuchs werden. In diesem Sinn werden die neue Bar oder die glänzenden Lichter in allen Räumen zum Mittelpunkt eines gesellschaftlichen Events. Es geht um die Wiedererweckung einer Atmosphäre, die aber wesentlich auch von der zukünftigen Bespielung der alten/neuen Räume abhängig sein wird. Die wiederhergestellten Räume können nur den Rahmen für ein Wiedererwachen des kulturellen Miteinanders bieten.

Unteres Foyer, 1960
Damentoilette, 2011

wussten Sie dass ...

  • bei der Eröffnung im Dezember 1960 Kirk Douglas anwesend war?
  • das Kino anfangs 900 Sitzplätze hatte?
  • das Gartenbaukino mit 736 Sitzplätzen der größte Kinosaal Wiens ist?
  • das Kino seinen Namen der "k.k. Gartenbau-Gesellschaft" zu verdanken hat, in dessen Ringstraßen-Palais das alte Gartenbau-Kino 1919 errichtet wurde?
  • das Gartenbaukino als erstes Kino Österreichs 70mm spielen konnte?
  • das Kino seit Anfang 2016 wieder 70mm spielfähig ist?
  • die Viennale bereits seit 1973 das Gartenbaukino als Spielstätte nutzt?
  • es bis Anfang der 80er Jahre vor den Vorstellungen eine Modeschau gab, wo aktuelle Kollektionen der großen Modehäuser präsentiert wurden?
  • die analogen Projektoren (Philips DP70 mit den Seriennummern 2032 und 2038) seit Eröffnung die selben und nach wie vor in Betrieb sind?
  • im Saal des Kinos 383 Glühbirnen installiert sind?
  • das Gartenbaukino als einziges Kino Österreichs mit einer Cinerama-Leinwand ausgestattet war?
  • der Preis einer Kinokarte im Gartenbaukino bei Eröffnung 1960 zwischen 12 und 40 Schilling lag?

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