15. Februar - 28. Februar 2013

TARANTINO UNCHAINED

Retrospektive Quentin Tarantino

Veranstalter Gartenbaukino

Termine

TARANTINO UNCHAINED

Retrospektive Quentin Tarantino
Alle Filme werden in OV oder OmU gezeigt.

Der deutsche Filmjournalist und Genrekenner Olaf Möller hat für das Gartenbaukino einen Text zur Retrospektive verfasst - inklusive interessanter Beschreibungen jedes einzelnen Films.Es gibt nur wenige Regisseure, die das Kino in den letzten zwei Jahrzehnten so massiv geprägt und unverwechselbare Filmbilder derart tief in das kollektive Bewusstsein der globalen Populärkultur gebrannt haben wie Quentin Tarantino.Das Gartenbaukino nimmt die nunmehr 20jährige Karriere des ungewöhnlichen Filmemachers sowie den großartigen Erfolg seines jüngsten Films DJANGO UNCHAINED zum Anlass, zum ersten Mal in Wien sein Gesamtwerk als Regisseur wie auch als Drehbuchschreiber über die große Leinwand flimmern zu lassen. Eine wunderbare Möglichkeit, frühere Kultfilme erstmals oder wieder zu entdecken.

Einleitung von Olaf Möller

Quentin Tarantino ist ein Axiom des Gegenwartskinos. Das kann man so sagen und das muss man so sagen, denn: Er gehört zu jenen ganz, ganz Wenigen, deren Namensnennung allein eine ganze Ideenwelt evoziert - selbst bei jenen, die noch nie einen seiner Filme gesehen haben. Heißt: Man weiß, was gemeint ist, wenn jemand „Tarantino“ sagt. So trägt man Taschenuhren seit Pulp Fiction (1994) nicht mehr unkommentiert. Und Barry Shears Across 110th Street (1972) schaut man auch nicht mehr, ohne an Jackie Brown (1997) zu denken. Etc. So sieht’s aus.

Wirklich? Sicher ist, dass Quentin the T. für Pulp-Kultur steht: mal ironisches, mal ernstes Verherrlichen von Filmemachern, deren Schaffen sich kein respektabel dünkender Kinofreund auch nur auf vierzehnkommasieben Kilometer nähern würde; Tarantino findet Poesie in den entlegen-exzentrischsten Werksfalten scheinbar sämtlicher Genre-Stilisten gleich welchen Virtuositätsgrades - von Wallace-Barockzimmermann Alfred Vohrer bis zum Golemkneter des Italo-Polizeifilms, Fernando Di Leo, ein jeder hat seine Meriten und Momente von (möglicherweise zufälliger) Größe.

Mit einer gewissen Unvermeidbarkeit wird in diesem Zusammenhang dann auch gleich auf Tarantinos Grindhouse-Kindheit und Videothekenknecht-Adoleszenz verwiesen, wie er sich erst durch nach Pisse stinkende Vorstadtkinos und dann die prallen Regale geguckt und so seine sehr persönliche Filmgeschichte zusammengebastelt hat. Er selbst tut seinen Teil zur Aufrechterhaltung dieses Images vom Natural Born Nerd-Auteur - so kichert und gluckst nachgewiesenermaßen keiner im Saal lauter, wenn es etwa bei Miike Takashi ans Eingemachte geht.

Aber das ist nur die eine Seite seines Schaffens - und zwar diejenige, von der die wenigsten seiner Apologeten aus der filmkulturellen Mittel- und Oberschicht wirklich etwas verstehen, weil sie sich in den Niederungen und Abgründen der Populärkultur eigentlich nie herumgetrieben haben. Um’s ganz krass zu sagen: Wer von den akklamierenden und ruinierenden Cannes-Haberern und -Adabeis kennt schon die Werkstücke Giulio Petronis und Fujita Toshiyas, auf die Kill Bill: Vol. 1 (2003) & Vol. 2 (2004) rekurriert, oder hätte sich nach dem Doppelpack mal mit diesen beschäftigt? Eben.

Gern übergangen wird hingegen, dass Tarantino wiederholt auf die Bedeutung von Éric Rohmer verwiesen hat (dessen Nachname ja im übrigen auch eine Hommage war an einen Meister des Paraliterarischen: Sax Rohmer...). Dabei hat Tarantino mit Rohmer ungleich mehr gemein als mit so ziemlich allen B- bis Z-Göttern: Der eine wie der andere weiß nämlich ganz genau, wie man eine Geschichte per Dialog vorantreibt, also durch Worte eine genuin kinematographische Bewegung schafft. Momente visuellen Zaubers setzen Akzente bei Tarantino, aber sie erzählen selten etwas. Bezeichnend ist, dass sein längster Film, Kill Bill: Vol. 1 & Vol. 2, auch sein am stärksten auf Bildpracht getrimmtes, durch visuelle Exzesse wie Regie-Zitate/Hommagen in Arsenalstärke, summa summarum: AV-Ausschweifungen aller Art, charakterisiertes Werk ist. Lies: Schauen dauert bei Tarantino länger als Hören. Aber auch: Zeigen ist Zelibrieren - Sprechen Bewegung.

Man fragt sich, wie viel das mit Tarantinos Schauspielausbildung zu tun hat. Will sagen: Vielleicht schreibt er so sagenhaft perfekt konstruierte Dialoge, weil er aus eigener Erfahrung weiß, was seine Darsteller für ihre Arbeit brauchen. Lässig bei jeder sich bietenden Gelegenheit anwendbare Sprüche sind darunter allerdings nur wenige; man kann sogar so weit gehen und sagen: Tarantino kreierte zwar sehr viele cool-ironisch nachahmbare Gesten - siehe etwa das Rasierklingen-Tänzchen in Reservoir Dogs (1992), das Luftquadrat in Pulp Fiction, den beständig wiederkehrenden mexican standoff, etc. -, doch nur wenige Sätze, die sich einfach mal so lässig in die Runde schmeißen ließen. Und für die eher monologisch funktionierenden Wortkaskaden - Christopher Walkens Geschichte von der goldenen Taschenuhr in Pulp Fiction, Christoph Waltzs Auftaktauftritte sowohl in Inglourious Basterds (2009) als auch Django Unchained (2012)... - müsste man verdammt viel Text lernen, damit sie ihre Wirkung entfalten können.

Die Dinge sind kompliziert, und die Filme selten so einfach, wie so mancher sie vielleicht gerne hätte. Spätestens seit dem Doppelpack Inglourious Basterds und Django Unchained kann man sich sicher sein, dass es Tarantino um ungleich mehr geht als die bloße Anfertigung ur-ergötzlicher Genrevariationen. Ließ sich Reservoir Dogs noch gut als existentialistisches noir-Endspiel und sonst wenig mehr schauen, wurde es bei Pulp Fiction schon vertrackter - die theologischen Dimensionen des Werks rechtfertigen schon eine ironiefreie Verwendung des Wortes Exegese hier - trotz diverser Freiheiten, die sich Mr. T. hier mit The Good Book nimmt.

Sein Meisterwerk, Jackie Brown (1997), sowie sein am schlimmsten unterschätzter Film, Death Proof (2007), offenbarten eine zuerst unvermutete Seite an Tarantino: nach den Testosteron-Ausstößen gerade von  Reservoir Dogs hätte man wahrscheinlich nicht erwartet, dass er sich als einer der großen Frauenfiguren-Schöpfer des US-Kinos dieser Tage erweisen würde. Dennoch: Nichts in all dem ließ ahnen, dass sich Tarantino einmal, und zwar jetzt, mit Inglourious Basterds und Django Unchained, zu ziemlich fundamentalen Auslassungen zum Thema Faschismus aufschwingen würde, darüber, wie Unterdrückung und Ausbeutung zum Tode gesamtgesellschaftlich funktioniert. In beiden Werken - die man unbedingt als ein Diptychon sehen muss - tobt ein Zorn auf die Verhältnisse, wie man ihn sich im gegenwärtigen Kino mehr und mehr und mehr wünschen würde. Vom Leben ganz zu schweigen.

 

Neben den Filmen von Quentin Tarantino gibt es auch Fernsehproduktionen und Filme von Tarantino als Autor zu sehen:

QT on TV

GRAVE DANGER 

Episode 24/25, Staffel 5 der Serie “CSI: Crime Scene Investigation”
Regie und Story: Quentin Tarantino
USA 2005, 90 min, DVD, OV

MOTHERHOOD

Episode 24, Staffel 1 der Serie „ER - Emergency Room“
Regie: Quentin Tarantino
USA 1995, 44 min, DVD, OV

Tarantino als Autor


TRUE ROMANCE
Ein Film von Tony Scott
Drehbuch von Quentin Tarantino, Roger Avary
USA 1993, 120 min, 35mm, OV, cinemascope


NATURAL BORN KILLERS
Ein Film von Oliver Stone
Basierend auf einer Geschichte von Quentin Tarantino
USA 1994, 118 min, 35mm, OV


FROM DUSK TILL DAWN
Ein Film von Robert Rodriguez
Drehbuch von Quentin Tarantino, basierend auf einer Geschichte von Robert Kurtzman
USA 1996, 108 min, 35mm, OV


Für das Zustande kommen dieser Retrospektive sind wir folgenden Personen zu großem Dank verpflichtet:

Katja Wiederspahn, Inga König & Petra Giesl (Warner Bros. Austria), Jannah-Marie Elfert (Warner Bros. Entertainment Gmbh), Mark Truesdale (Park Circus), Lorra-Lea Bartlett (CBS Broadcasting Inc.), Greg Mielcarz (Morgan Creek), Sabrina Kühnis (Ascot Elite), Dagmar Schuster & Thomas Schöffl (UPI Austria), Angela Gärtner (Constantin Film), Sebastian Leitner, Andi Winter

Links

wussten Sie dass ...

  • bei der Eröffnung im Dezember 1960 Kirk Douglas anwesend war?
  • das Kino anfangs 900 Sitzplätze hatte?
  • das Gartenbaukino mit 736 Sitzplätzen der größte Kinosaal Wiens ist?
  • das Kino seinen Namen der "k.k. Gartenbau-Gesellschaft" zu verdanken hat, in dessen Ringstraßen-Palais das alte Gartenbau-Kino 1919 errichtet wurde?
  • das Gartenbaukino als erstes Kino Österreichs 70mm spielen konnte?
  • das Kino seit Anfang 2016 wieder 70mm spielfähig ist?
  • die Viennale bereits seit 1973 das Gartenbaukino als Spielstätte nutzt?
  • es bis Anfang der 80er Jahre vor den Vorstellungen eine Modeschau gab, wo aktuelle Kollektionen der großen Modehäuser präsentiert wurden?
  • die analogen Projektoren (Philips DP70 mit den Seriennummern 2032 und 2038) seit Eröffnung die selben und nach wie vor in Betrieb sind?
  • im Saal des Kinos 383 Glühbirnen installiert sind?
  • das Gartenbaukino als einziges Kino Österreichs mit einer Cinerama-Leinwand ausgestattet war?
  • der Preis einer Kinokarte im Gartenbaukino bei Eröffnung 1960 zwischen 12 und 40 Schilling lag?

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